Boris Pfeiffer ausgefragt Teil 1

Liebe Freunde der Akademie der Abenteuer,

vielen Dank für die zahlreichen Fragen an Boris Pfeiffer.
Mit großer Freude hat er sich euren Fragen gestellt und gewährt uns somit Einblick in sein spannendes Leben als Schriftsteller und Erfinder der Akademie der Abenteuer.
Hier nun seine Antworten.
Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

Euer Akademie der Abenteuer-Team



“Boris Pfeiffer ausgefragt”

Yannick:

Was war denn für sie als Kind das allergrößte Abenteuer, das sie erlebt haben und was war ihr größter und abenteuerlichster Traum?

Boris Pfeiffer:

Das größte Abenteuer meiner Kindheit ist nicht an einem Tag passiert, sondern über viele Jahre. Und es ist mit Sicherheit das Spielen mit meinen Freundinnen und Freunden gewesen. Und manchmal auch alleine.

Ich bin in einem großen Häuserblock in Berlin aufgewachsen, in dessen Mitte ein großer Hof lag. Der Hof war gleichzeitig das Dach einer Tiefgarage. Es gab dort keinen Baum, aber einen weiten Himmel über uns. Und es gab viele Kinder. Wir haben uns aus Kisten und Kartons und alten Kinderwagen und Brettern riesige Höhlen gebaut, mit vielen Kammern. Wir haben im Winter Schneekugeln gerollt, die größer waren als wir selbst. Wir haben mit Malsteinen den ganzen Hof vollgemalt. Wir haben unseren Ball gegen die älteren Jungs verteidigt, die ihn uns wegnehmen wollten und manchmal gegen sie gekämpft und gewonnen. Wir haben uns im Keller ein Geheimversteck eingerichtet und sind auf flache Dächer geklettert. Wir haben uns, außer in den Ferien, jeden Tag getroffen und gespielt. Es gibt kein größeres Abenteuer für mich als die Menschen.

Außer vielleicht einem noch. Die Natur. Ich bin als Kind einmal zum ersten Mal alleine (mein Vater stand am Ufer und sah mir zu) durch einen Fluss geschwommen. Hin und zurück, von Ufer zu Ufer. Es war wunderschön und großartig und ein Gefühl von Freiheit, das zu schaffen. Und ich habe einmal auf dem Ätna in Sizilien, dem Vulkan, in einen Krater geguckt, in dem glühende Lava zu sehen war. Das war auch mächtig.

Das größte Abenteuer aber war vielleicht, als ich eines Nachmittags an einem sehr steilen Waldhang, ich weiß bis heute nicht wie, wie von einer unsichtbaren Hand gestoßen, plötzlich abgestürzt bin. Ich weiß auch dabei nicht, wie, aber ich habe mich irgendwie zu einer Kugel zusammengerollt und bin den ganzen Hang immer weiter und weiter runtergerollt. Als ich unten ankam, stand ich auf. Mir tat nichts weh, ich hatte keinen blauen Fleck, ich konnte weiterspielen. Es war wie ein Wunder. Aber damals war es für mich kein Wunder, es war einfach passiert. Es war selbstverständlich, dass mir nichts passierte.

Heute finde ich es im Rückblick etwas wundersamer als damals. Aber es war auch fantastisch, den Abhang runter zu rollen. Nicht, dass Du das nachmachen solltest. Ich erzähle nur, wie es mir passiert ist. Diese Dinge passieren vielleicht jedem, nur eben jedem anders …

Und mein größter Traum von einem Abenteuer? Es ist kein Flug ins Weltall, es ist keine Fahrt in einem gläsernen Unterseeboot, es ist nicht der Ritt auf einem Drachen oder der Wunsch, fliegen zu können (obwohl ich all das auch jederzeit tun würde, wenn es mir möglich ist). Mein Traum, den ich nicht hatte, sondern den ich immer noch träume, ist es, dass die Menschen es schaffen, im Einklang mit sich und der Erde zu leben. Dass sie nicht dumm und nicht eigennützig handeln müssen, weil sie Angst haben oder denken, es wäre das Beste für sie. Sondern dass sie vielmehr mit Übersicht, Klarheit, Ruhe und miteinander ein geselliges Leben führen.

Aber wie ich schon vorhin über die großen Jungen sagte, die uns Kleinen damals den Ball wegnehmen wollten. Nicht alles, was man sich erträumt, passiert einfach so. Für manche Träume muss man auch kämpfen.

 

Hannes:

Haben Sie ein bestimmtes Ritual beim Schreiben?

Boris Pfeiffer:

Nein, ganz und gar nicht. Obwohl so ganz stimmt das nicht. Ich schreibe gerne morgens nach dem Aufstehen und ich schreibe gerne abends ins Dunkelwerden hinein. Aber ich habe kein Ritual, wie erst einen Schluck Tee, dann das erste Wort. Oder erst den Bildschirm putzen, dann den ersten Satz. Oder erst sieben Bleistifte anspitzen, dann den Block nehmen. Allerdings arbeite ich möglichst nur auf gelbem Papier, wenn ich mir Notizen mache.

Boris Pfeiffer ausgefragt Teil 2